Nach meinem Studium der Wirtschaftswissenschaften und der Ökotrophologie startete ich beruflich durch. Mein Plan war es, mehrere Jahre als Unternehmensberaterin zu arbeiten und dann zum Kunden zu wechseln. Die Lebensmittelbranche sollte es sein. Zuerst ging der Plan voll auf. Doch in der beruflichen Praxis wurde mir klar, dass der Lebensmittelmarkt hart umkämpft ist und eine starke Budgetorientierung zu Kostendruck im Unternehmen führte. Nach und nach meldeten sich meine Kolleginnen und Kollegen wegen Krankheit ab. Ich blieb und übernahm vielfältige Aufgaben der ausgefallenen Kolleginnen und Kollegen. Nach wenigen Monaten bemerkte ich erste körperliche Symptome, schlief schlecht, war am nächsten Tag übermüdet. Es schlichen sich zunehmend Fehler in meiner täglichen Arbeit ein, Konzentrationsstörungen kamen dazu. Ich war häufig gereizt. Probleme in meiner Partnerschaft kamen hinzu. Bis ich etwa zwei Jahre, nachdem ich erste Symptome bemerkt hatte, eines morgens nicht mehr aufstehen und zur Arbeit gehen konnte. Ich zog die Reißleine und ließ mich ärztlich und psychotherapeutisch beraten, fand aber zunächst über Monate hinweg keinen Therapieplatz. In dieser Phase wandte ich mich an meinen Berufsunfähigkeitsversicherer. Nach medizinischer Prüfung wurde mir eine BU zuerkannt. Mein BU-Versicherer unterbreitete mir das Angebot, ReIntra einzuschalten und kontaktierte den medizinisch-berufskundlichen Beratungs- und Reintegrationsdienst. Die Beraterin von ReIntra nahm Kontakt mit mir auf und besuchte mich vor Ort. Nach dem Erstgespräch war klar: Eine Rückkehr an den alten Arbeitsplatz kam nicht mehr in Frage. Die Beraterin von ReIntra schaltete nach meiner Zustimmung zunächst eine beratende Ärztin von ReIntra ein, die mich auf neurologisch-psychiatrischem Gebiet unterstützte und half, bei der Suche nach der richtigen Psychotherapie-Methode einen geeigneten ambulanten Therapieplatz zu finden. Sie unterstützte mich beim Antragsverfahren bei der gesetzlichen Krankenkasse. Bis zum ersten Therapiegespräch blieben sowohl die Berufsberaterin von ReIntra als auch ihre Ärztin in wöchentlichem, regelmäßigem Kontakt mit mir. Nach vier probatorischen Sitzungen, nach vorangegangenen knapp drei Monaten Wartezeit, hatte ich eine geeignete Psychotherapie gefunden. Nach etwa 15 Sitzungen begann die gemeinsame Suche nach beruflichen Perspektiven. ReIntra unterstützte mich bei: der Evaluation meiner beruflichen Interessen, der Stellensuche, Bewerbungsanschreiben, der Erstellung des Lebenslaufes, der Anforderung des Arbeitszeugnisses beim alten Arbeitgeber, der Simulation von Vorstellungsgesprächen. Ich fasste den Entschluss, dem Lebensmittelbereich weiterhin treu zu bleiben, allerdings nicht mehr auf Seiten der freien Wirtschaft, sondern auf Seiten des öffentlichen Dienstes. Nach mehrmonatiger Stellensuche, vielen Bewerbungen und diversen Vorstellungsgesprächen erhielt ich schließlich die Zusage, im Amt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eine Anstellung im gehobenen Dienst zu übernehmen. ReIntra unterstützte mich dabei, in der Probezeit der neuen Beschäftigung nicht wieder in alte Muster zu verfallen und mich klarer bei meinen beruflichen Aufgaben abzugrenzen. Nach der Probezeit beendete ReIntra die Beratung und Unterstützung. Ich arbeite nach wie vor im Amt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in einer Tätigkeit mit kaufmännischen Arbeiten, versetzt mit Außendiensten vor Ort.